Supervisionen wurden in den 70er Jahren in den USA entwickelt und waren von Anfang an ein Format zur Unterstützung und Beratung von Professionellen, die mit Kunden*innen / Klienten*innen arbeiten.

Nach wie vor werden Supervisionen hauptsächlich in medizinischen, psychologischen, sozialen, pädagogischen und psychotherapeutischen Bereichen angewandt
In letzter Zeit verbreiten sich Supervisionen aber auch in der Wirtschaft und die Unterschiede zwischen Supervision und Coaching verschwimmen immer wieder (1).

Zur Abgrenzung sind ein Artikel im Coaching-Magazin (2) und in der Rauen-Datenbank (3) hilfreich

Heute stellt die Supervision einen Pflichtbestandteil jeder therapeutischen Ausbildung  in Deutschland dar (Psychotherapeutengesetz, ärztliche Weiterbildungsordnung)

Dr. Astrid Schreyögg, Psychologin mit jahrelanger Supervision- und Coachingerfahrung schreibt über Supervision:

„In der Supervision geht es darum, Leute zu beraten, die ihrerseits Klienten beraten, z.B. Psychotherapeuten oder Sozialarbeiter. Sie werden darin unterstützt, wiederum ihre Klienten möglichst gut beraten zu können.
Im Coaching hingegen geht es darum, Leute dahingehend fit zu machen, dass sie das System, in dem sie tätig sind, ,möglichst optimal steuern.“
(Coaching-Magazin, 4,2017, S. 14-21).

Supervision für Coaches

Coaches machen hochprofessionelle Arbeit und v.a. Business-Coaches beraten Führungskräfte bei wichtigen Entscheidungen.
Doch nach wie vor ist der Begriff des Coaches und das Berufsbild aber nicht geschützt und die meisten Entscheidungen bei der Auswahl eines Coaches werden durch persönliche Empfehlung gegeben (Rauen).

Deshalb setzen wir uns im Deutschen Coaching Verband, DBVC, für zertifizierte Weiterbildungen und ein lebenslanges Lernen auch nach der Zertifizierung als Coach ein.
Da dient zur Qualitätssicherung ihrer täglichen Arbeit.

Dazu haben wir in der Fortbildungskommission des DBVC Anfang 2021 ein verbindliches Fortbildungskonzept verabschiedet, an dem der Autor mitgearbeitet hat.

Dazu sind Fort- und Weiterbildung ebenso notwendig, wie eine „Supervision“ der täglichen Arbeit mit Klienten und Führungskräften.

Das was für Psychotherapeuten und für die meisten anderen sozialen Berufen selbstverständlich ist, sollte es auch bei der intensiven Arbeit von Coaches als fester Bestandteil der Coaching-Praxis eingeführt werden:
eine Supervision zur Aufrechterhaltung der professionellen Unabhängigkeit, der Sicherung eines hohen Standards der Beratung.

Das dient gleichzeitig dem Coach, dem Ruf des Coaching und der Führungskraft, die sich coachen lässt.

Denn auch im Coaching ist die Qualitätssicherung ein essentieller Bestandteil der Arbeit zwischen Coach und Klient.

Deshalb gehört einer hoher Qualitätsstandard in der Ausbildung und Weiterbildung zur DNA des DBVC, der Deutschen Bundesverbands Coaching e.V.

Menschen, die einen Coach suchen, müssen sich darauf verlassen können, dass ihr Berater oder Coach sein Handwerk versteht.

Doch v.a. im Coaching scheint oft Feldkompetenz und Erfahrungen im Unternehmen wichtiger als das Wissen über Verhalten, Verhaltensänderungen, Widerstände gegen Change-Prozesse….

Ärzte müssen regelmäßige Weiterbildung nachweisen. Auch ärztliche und Psychologische Psychotherapeuten sind zur regelmäßigen Weiterbildung verpflichtet.

Doch was sich in anderen Berufen schon lange Standard ist (Weiterbildung auch nach Abschluss der Ausbildung, lebenslanges Lernen), setzt sich im Coaching erst langsam durch.

Dazu leiten regelmäßige Supervisionen bei einem anerkannten Supervisor einen wichtigen Baustein.

Literatur:

2. https://www.coaching-magazin.de/beruf-coach/training-beratung-supervision-oder-coaching
3. https://www.rauen.de/coaching-report/definition-coaching/modelltheoretischer-hintergrund/coaching-vs-supervision.html

Bücher:

Becker, H.J.: Psychoanalytische Teamsupervision, Vandenhoeck & Ruprecht, 1995
Oberhof, B.: Übertragung und Gegenübertragung in der Supervision, Daedalus,  Verlag, 2009
Möller, E., Träupmann, S.: Aspekte psychodynamischen Supervision, Kassel University press, 2011

Chefarzt a.D. coacht Ärzte

Wir Ärzte sind Spezialisten und Experten für individuelle Patienten* und Erkrankungen.
Im Studium, in der Weiterbildung zum Facharzt, in Klinik und Praxis erwerben wir detailliertes Wissen über Anatomie, Pathologie, Pathophysiologie, Krankheitsbilder und Therapiemethoden.

Was wir aber zu wenig lernen ist das Wissen über Organisationsentwicklung, Finanzierung von Krankenhausleistungen und ambulanten Behandlungen, Ökonomie, Personalführung und Personalentwicklung, über Change Management und über die unterschiedlichen Führungsstile.

Wenn wir dann in Führungspositionen kommen oder die eigene Praxis eröffnen, sind wir genau diesen Fragen ausgesetzt.

Jetzt machen uns Betriebswirtschaftler, Berater, Krankenkassen, der MDK und die KV das Leben schwer und Geschäftsführer bestimmen und begrenzen unsere Möglichkeiten, unser medizinisches Wissen so umzusetzen, wie  es für de individuellen Patienten notwendig ist, und stellen das medizinische Sinnvolle oder Notwendige unter ein ökonomisches Primat.

Spagat zwischen Qualität und Wirtschaftlichkeit

Das führt  immer wieder zu einem Spagat zwischen der medizinischen Qualität, (die nur wir Ärzte einschätzen können) und der Wirtschaftlichkeit, die uns von den Geschäftsführungen vorgegeben wird.
Diese unterschiedlichen Perspektiven führen im besten Fall zu positiven Kompromissen, in schwierigen Fällen zu Konflikten und leider auch immer wieder zu schwierigen Auseinandersetzungen.

Das helfen Coaching und Beratung. Und besonders hilfreich ist es, wenn der Coach als Arzt und Chefarzt a.D diese Probleme, Konflikte und Fragestellung aus eigener Erfahrung kennt.