In der Regel wenden sich Menschen in beruflichen Krisen oder Krisen im Beruf an einen Coach (m/w).

Bei dem ständig wachsenden Angebot an Coaching für fast alle Lebensbereiche ist es für die meisten Menschen aber schier unmöglich, einen geeigneten Coach für das eigene Anliegen oder das Anliegen der Firma zu finden.

Da verwundertet es nicht, dass die meisten Vermittlungen über persönliche Empfehlungen zustande kommen, wie Untersuchungen zeigen (Rauen).

Doch das ist nicht immer der richtige oder zielführende Weg, wie jeder/jede ja schon bei der Suche nach dem richtigen Hausarzt kennt.

Deshalb erscheint es mir hilfreich, hier den Standard für einen Coaching-Prozess zu beschreiben und so vielleicht einige Fragen im Vorfeld zu klären.
Es bietet eine Möglichkeit für Klienten*innen abzuschätzen, auf was sie sich einlassen.

Und das ist nicht „ganz ohne“, denn es geht um das Eingeständnis, dass man/frau einen Dritten brauchen könnte, um einen Konflikt zu lösen.
Die Führungskraft, die sich coachen lässt, berichtet von schwierigen Entscheidungen, von denen sonst niemand erfährt.
Es setzt die Bereitschaft zu Vertrauen in den Coach voraus.

Absolute Professionalität, Schweigepflicht, Datenschutz und ein transparenter Coaching-Prozess sind deshalb die Grundvoraussetzungen für ein gemeinsamen Coaching.

Deshalb beschreibe ich hier den Prozess, nach dem ein Coaching regelhaft ablaufen sollte (Leitlinie des Deutschen Bundesverband Coaching, DBVC) (1) und ich in mein Coaching durchführe.

Coaching sollte folgende Phasen durchlaufen:

1. Auftragsklärung und Vertragsgestaltung
2. Assessment und Feedback
3. Entwickeln der Coaching Agenda / Tagesordnung
4. Strukturierung der Coaching Intervention
5. Durchführung des Coachings
6. Zusammenfassung, Rückblick und Evaluation

ad 1. Auftragsklärung

Es hört sich selbstverständlich an, ist aber komplex und wahrscheinlich die entscheidende Phase, die darüber einscheidet, ob ein Coaching überhaupt stattfindet.
Für die Auftragsklärung nehme ich mir in der Regal ein bis zwei Stunden Zeit (am liebsten Face to Face).
Kommt es nach der Auftragsklärung zu einem gemeinsamen Coaching berechne ich diese Auftragsklärung und Kennenlernphase nicht).
Bei der Auftragsklärung geht es inhaltlich um die Problembeschreibung und das Kennenlernen der Person und der Organisation.

ad 2. Vertragsgestaltung

Business-Coaching ist eine individuelle, zeitlich limitierte gemeinsame Arbeit.
Die Art und der Umfang richten sich nach der Problemstellung und den gemeinsam zu besprechenden Coaching-Zielen. Sie müssen vorher gründlich besprochen und schriftlich fixiert werden.

Gemeinsam wird eine Vereinbarung über Coaching Setting (Einzelcoaching, Gruppen-Coaching….),  über die Coaching Dauer und Kosten geschlossen.
Als Arbeitsgrundlage dient ein ausgearbeiteter Coaching Vertrag (entsprechend der Rahmenvereinbarungen des Deutschen Berufsverband Coaching, DBVC) und eine Datenschutzvereinbarung.
Für das individuelle Coaching wird vor Beginn ein gemeinsamer Coaching-Vertrag unterschrieben.

ad 2. Assessment und Feedback

Hier geht es um die Bewertung und Beurteilung der Rahmenbedingungen in der Organisation und bei den Einzelnen.

Dazu braucht es Hintergrundinformationen, die dazu beitragen, den aktuellen Konflikt oder die Problemlage besser zu verstehen.

Bei der Organisation geht es um ein Verständnis für das Organigramm, die Abläufe und Prozesse.

Beim Einzelnen geht es um ein Verständnis der persönlichen Hintergrunde, der Resilienz und ggf. der Konfliktfähigkeit.

Dieses Assessment kann je nach Aufgabenstellung und Problemlage strukturiert mit evaluierten Assessment-Tools oder individuell erfolgen.

Bei diesem Prozess ist die Rückmeldung und das Feedback an den/ die Klienten*in der entscheidende Punkt in dieser Anfangsphase des Coachings.

3. Entwickeln der Coaching Agenda / Tagesordnung
4. Strukturierung der Coaching Intervention
5. Durchführung des Coachings

Diese drei Punkte werden an anderer Stelle ausführlicher besprochen.
Der wichtigste Aspekt hier sind auch hier die Feedback-Schleifen, die den Klienten*innen jederzeit die Möglichkeit geben, das Geschehen zu verstehen , zu verfolgen und mit zu bestimmen.

ad 6. Zusammenfassung, Rückblick und Evaluation

Bluckert schreibt: Rückblick auf das Ergebnis und Return on Investment sind zwei der heissesten Themen im Coaching heute.
Die Geschäftswelt hat einen guten Überblick über Coaching und und möchte wissen, was sie bekommen für ihr Geld und wie Erfolg gemessen wird (Ü.d.A.).

Es gibt zahlreiche Methoden, den Erfolg des Coachings zu messen und zu evaluieren.

Jetzt ist es hilfreich, wenn der Coaching-Prozess nach diesen Punkten abgearbeitet wurde.
Denn am Ende rächt es sich, wenn in der Vertragsphase keine klaren Ziele definiert worden sind.

Und bis heute gibt es viel zu wenig gute, verlässliche Studien zum Outcome von Business-Coaching. Hier gibt es noch viel Arbeit auf dem Weg zur Professionalisierung von Coaching.

Fazit

Es ist hilfreich, wenn Coaching nach diesem oder vergleichbaren Prozessen abläuft.

Denn wenn wir in der Diagnostik und dem Assessment wichtige Aspekte übersehen, leidet das Verständnis für wichtige Aspekte der äusseren und inneren Welt von Klienten und Organisationen.

Ohne Coaching Agenda läuft das Coaching aus dem Ruder.

Und ohne klar definierte Ziele ist eine Evaluation und eine Einschätzung des Coaching-Erfolges nicht möglich.

Literatur:

  1. DBVC: „Coaching als Profession,“ Leitlinie des Deutschen Bundesverband Coaching, DBVC, 2010
  2. Bluckert, P.: Psychological Dimensions of Executive Coaching“, Open University Press, 2006
  3. Peltier, B.:  Psychology of Executive Coaching,“ Routledge, 2010